Ist links vorbei oder „gendert“ Merz jetzt?

Friedrich Merz hat Gendersprache über Jahre hinweg erklärtermaßen abgelehnt. 2021 verspottete er auf Twitter „#Gender-Leute“, die „einseitig unsere Sprache“ verändern wollten – mit Beispielen wie „Hähnch*Innen-Filet“ und „Kinder und Kinderinnen“. 2022 nannte er Universitäten und öffentlich-rechtliche Sender „Volkserziehungsanstalten“, wenn sie gendern. 2023 schrieb er in der „MerzMail“ und auf X: „Gegenderte Sprache und identitäre Ideologie werden von einer großen Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr nur im Stillen abgelehnt. Sie werden als übergriffig empfunden.“

Zugleich knüpfte er das Gendern im Rundfunk an den Aufstieg der AfD: Mit jeder gegenderten Nachrichtensendung gingen Stimmen an uns, schrieb er. Als Kanzler ließ das Bundeskanzleramt Sternchen und Binnen-I im Schriftverkehr ausschließen. Die Linie war eindeutig: kein Gender-Zwang, keine Sonderzeichen, keine belehrende Sprachpolitik durch Staat und Anstalten.

Dazu passt sein Wahlkampfschluss am 22. Februar 2025 im Münchner Löwenbräukeller: „Links ist vorbei. Es gibt keine linke Mehrheit und keine linke Politik mehr in Deutschland.“ Politik sollte wieder für die Mehrheit gemacht werden, nicht für „grüne und linke Spinner“.

Aber handelte Merz aus innerer Überzeugung oder wollte er die Umwälzung der Gesellschaft in typischer CDU-manier nur langsamer vornehmen als noch weiter linksstehende Parteien?

Denn auffällig ist der Satz in seiner Festrede zum 150-jährigen Bestehen von Henkel über den auch Medien berichteten. Dort sprach der Kanzler davon, das Unternehmen habe in der Corona-Zeit weder Staatshilfen gebraucht noch „Mitarbeitende“ entlassen – nicht „Mitarbeiter“. Die Partizipform „Mitarbeitende“ wird von Befürwortern von Gendersprache gerade als Alternative zum generischen Maskulinum empfohlen. Bei Merz ist sie bislang ungewöhnlich. Seine Standardformel war bisher oft die Doppelnennung „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ oder das Maskulinum.

Daraus folgt nicht automatisch eine ideologische Wende nach links, aber für uns die Berechtigung zur Nachfrage nach der Konsistenz: Hat der Kanzler bewusst eine Form gewählt, die er politisch bekämpft hat – oder handelte es sich um ein Versehen? Wenn es kein Versehen war: Wie weit reicht die Offenheit? Wie lange dauert es, bis die CDU uns die „ens“-Form einbläuen will?

Ich habe daher die folgende Frage an die Bundesregierung gerichtet:

Hat Friedrich Merz bewusst oder versehentlich sogenannte Gendersprache benutzt, als er statt von Mitarbeitern von „Mitarbeitenden“ sprach und, wenn es sich nicht um ein Versehen handelte, steht Friedrich Merz vor dem Hintergrund und im Kontrast zu seinen früheren Äußerungen („Gegenderte Sprache und identitäre Ideologie werden von einer großen Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr nur im Stillen abgelehnt. Sie werden als übergriffig empfunden […]“ https://www.friedrich-merz.de/merzmail/merzmail-152/) auch weiteren Versuchen der radikalen Linken offen gegenüber, Sprachneuschöpfungen wie die „ens“-Form („ens Käufens und ens Einkaufskorb“ nach ens sich selbst so bezeichnende Prof.ens Dr.ens für Gender Studies Lann Hornscheid https://www.facebook.com/christoph.devries/videos/lann-hornscheidt-gendersprache/393331165303368/; https://www.tagesschau.de/tagesthemen/video-875563.html) zu übernehmen (https://apollo-news.net/sprachwende-friedrich-merz-verwendet-gender-formulierung-in-festrede/)?

Die ARD-Tagesthemen machten nämlich bereits am 9. Juni 2021 Propaganda für genau diese besonders irre Form von „Gendersprache“ mit der „ens“-Form. Kronzeugin war damals die selbsternannte „Prof.ens. Dr.ens“ für „Gender Studies“ Lann Hornscheid.

Die eingereichte Frage liegt jetzt bei der Bundestagsverwaltung unter Präsidentin Julia Klöckner (CDU) zur „Prüfung“. Formal ist das der normale Weg, bevor eine Frage an die Bundesregierung geht. Praktisch entscheidet diese Prüfung oft mit darüber, ob eine unangenehme Frage so bleibt, wie sie gestellt wurde – oder ob sie entschärft, umformuliert, verkürzt oder inhaltlich entkernt wird. Besonders treffende Formulierungen und Vergleiche werden gern als „unsachlich“ oder „nicht zulässig verbunden“ beanstandet.

Quellen:

https://www.friedrich-merz.de/merzmail/merzmail-152

https://www.bild.de/politik/inland/kanzler-merz-spricht-auf-gala-von-mitarbeitenden-6ab7a3a9a8b3f6fdb1edbf3f

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